wallgraben theater moderne unterhaltung drama

Hausproduktionen

Hausproduktionen

Spielzeitvorschau für 2016/17:

(Zeichnungen Katharina Kreßler, ausgenommen Loriot)

 

Terror

Terror

von Ferdinand von Schirach, Premiere 14. Oktober 2016

Die Bühne: Ein Gericht.
Das Publikum: Die Schöffen.
 
Regie: Hans Poeschl
Mit: Sybille Denker / Regine Effinger / Helge Gutbrod / Matthias Happach / Natalia Herrera / Dietmar Kwoka
 
Major Lars Koch, Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr, Typ Eurofighter, hat sich seinem Urteil zu stellen. Hat er richtig gehandelt, an jenem Tag, an dem er den Befehl erhielt, einen von Terroristen gekaperten Lufthansa-Airbus vom Kurs abzudrängen?

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"Spielen Sie doch einfach, was da steht" - LORIOT

Premiere 10. Dezember 2016

Regie: Christian Lugerth
Mit: Regine Effinger / Hans Poeschl / Natalia Herrera / Matthias Happach / Peter Haug-Lamersdorf / Jacco Venhuis
 

Auf vielfachen Wunsch - „Ich hätte gerne für die Zauberflöte, erste oder zweite Reihe Mitte vier Plätze. Drei Erwachsene und ein Riesenschnauzer.“ - wird unsere diesjährige Weihnachts-„Früher war mehr Lametta“-produktion die Loriot-Tradition des Hauses fortsetzen.

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Und jetzt: die Welt! - Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen

Und jetzt: die Welt! - Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen

von Sibylle Berg, Wiederaufnahme 4. Februar 2017

Sie sind klug, gut ausgebildet und leben in prekären Verhältnissen, weil auch das x-te Praktikum kein Geld bringt. Sie verkaufen selbstgekochte Drogen im Internet, schreiben Mode-Blogs und steigern den Marktwert ihres Körpers im Fitnessstudio, obwohl sie den Markt verachten. Sie kommunizieren per Skype, SMS, Chat oder Telefon, und doch bleibt da ein Gefühl von überwältigender Einsamkeit.

Es spielen: Camilla Kallfaß / Elisabeth Kreßler / Katharina Rauenbusch

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Geächtet

Geächtet

von Ayad Akhtar - Premiere 11. März 2017

Regie: Ralf Buron
Mit: Achim Barrenstein / Sabine Flack / Matthias Happach / Natalia Herrera / Florian Kleine 
 
Amir Kapoor lebt den amerikanischen Traum: Der Sohn pakistanischer Einwanderer ist Anwalt und arbeitet in einer renommierten jüdischen Kanzlei in New York. Er trägt teure Hemden, genießt gutes Essen und wohnt in einem Loft in der Upper East Side von Manhattan. Es geht ihm gut.

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Stück Plastik

Stück Plastik

von Marius von Mayenburg - Premiere Mai 2017

Regie: Hans Poeschl
Mit: Regine Effinger / Matthias Happach / Natalia Herrera / Hans Poeschl / Martin Schurr
 
In dieser „Edelboulevard-Komödie“ nimmt der Autor die Mischung von Fremdenfeindlichkeit und verdruckster Deutschtümelei, Glutenunverträglichkeit und Hygienefimmel, Standesdünkel, Konsumgier und Weltelendsbetroffenheitsgetue treffend auf die Schippe.

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39 Stufen

39 Stufen

Spielzeit: 18. Mai - 25. Juni 2011

Dauer: ca. 2 h
Darsteller: Sybille Denker, Markus Bölling Burkhard Wein und Ives Pancera
Regie: Christian Lugerth
Verlag: Rowohlt Theater Verlag

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Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen

Christine Brückner

Wiederaufnahme 29.10.2012, 20 Uhr

weitere Vorstellungen 30.10., 31.10., 02.11., 5.11.-8.11., 12.11.-14.11., 22.11., 23.11.

Dauer ca. 2 h

Mit Sybille Denker / Regine Effinger / Susanne Henneberger

Regie Steffi Bürger / Hans Poeschl /

Carola Ziemke

Verlag / Aufführungsrechte S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

 

Sechs Frauen unterschiedlicher Epochen – sechs bekannte Lebensläufe. Doch was hat die Frauen in ihren bewegendsten Stunden wirklich beschäftigt? Was ist von ihren anfänglichen Träumen übrig geblieben? Konnten sie ihre Gedanken in ihrer Zeit laut formulieren? Sechs bewegende Monologe, die unterschiedlicher nicht sein könnten und auch in unserer emanzipierten Zeit noch Aussagekraft haben.

Das Wallgraben Theater gibt Ihnen eine Stimme: Christiane Goethe, Desdemona, Donna Laura, Effi Briest, Gudrun Ensslin und Megara halten ihre ungehaltenen Reden.

Regie Steffi Bürger / Hans Poeschl / Carola Ziemke

Mit Sybille Denker / Regine Effinger / Susanne Henneberger

UA 1984, Landesbühne Wilhelmshaven

Christine Brückner (1921-1996, Deutschland) war Roman- und Kinderbuchautorin. Ihre Romane „Jauche und Levkojen“ und „Nirgendwo ist Poenichen“ wurden als erfolgreiche Fernseh-Mehrteiler verfilmt. Die Monologe „Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ erfuhren nicht nur hohe Auflagen, sondern gehörten auch zu den meistgespielten Stücken ihrer Zeit.

 

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Regine Effinger Sybille Denker Susanne Henneberger

 

Kritik:

Fr, 12. Oktober 2012, Badischen Zeitung.

von Heidi Ossenberg

Mordswut im Bauch

Christine Brückners "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" im Freiburger Wallgraben Theater.

  1. Sybille Denker als Gudrun Ensslin in "Ungehaltene Frauen..." am Wallgraben-Theater Foto: Christine Deutsch

 

 

Was für ein schönes Wort: Ungehalten. Eines freilich mit (mindestens) zwei Bedeutungen. Ungehaltene Reden sind solche, die niemand hat hören können, weil sie nie gehalten wurden. Das Grimm’sche Wörterbuch beschreibt, was auf den zweiten Teil des Theaterstücktitels von Christine Brückner (1921-1996) passt: Ungehaltene Frauen sind solche, die sich nicht im Zaum halten können, die sich – höchst emotional – Raum schaffen für ihre Botschaften.

Dieser Raum auf der Kellerbühne des Freiburger Wallgraben Theaters ist denkbar schlicht gestaltet: Weiße Wände mit sechs darin eingelassenen Schubladen umfangen die Bühne. Drei unterschiedlich große, bewegliche Podeste, die im Laufe des Abends zum Bett von Desdemona werden, zum Stühlchen für die wartende Christiane von Goethe oder zur Gefängnispritsche von Gudrun Ensslin, stehen darauf. Carola Ziemkes Bühne ist klug komponiert: Nichts lenkt ab von den Monologen der sechs Frauen, die, obgleich sie lange tot oder ohnehin "nur" als Fiktion lebendig, noch immer Wichtiges zu sagen haben.

Ob "Goethes dickere Hälfte" Christiane, Petrarcas schöne Muse Donna Laura, Othellos treue Ehefrau Desdemona, Baron von Instettens blutjunge Gattin Effi Briest, Pastor Ensslins rebellische Tochter Gudrun oder Christine Brückners Lysistrate-Gegenspielerin Megara – sie alle haben eine Mordswut im Bauch. Auf die vornehme Gesellschaft, die ein "Gossenkind" nicht anerkennt. Auf Männer, die Frauen anbeten wie Heiligenstatuen – darüber aber deren Recht auf ein eigenes Leben vergessen. Auf Väter, die sich hinter bürgerlichen Phrasen verstecken und auf Geschlechtsgenossinnen, die Gutes wollen aber zu den falschen Mitteln greifen. Allesamt kluge Frauen sind das, denen die Schriftstellerin Brückner Anfang der 1980er Jahre klare Worte und authentische Gefühle mitgab – Worte und Gefühle, die heute noch genau so glaubwürdig erklingen, wie damals.

Wenn sie denn von Schauspielerinnen glaubwürdig verkörpert werden. Im Fall von Regine Effinger, Sybille Denker und Susanne Henneberger, die unter der Regie von Steffi Bürger, Carola Ziemke und Hans Poeschl ungehalten reden, kann das aus vollem Herzen bejaht werden. Ein wunderbarer Abend der Schauspielkunst!

Sich allein Raum zu verschaffen auf einer nahezu leeren Bühne ist sicher kein leichtes Unterfangen. Bei einem Monolog existiert in der Regel kein Gegenüber, niemand, auf den die Darstellerin reagieren kann, mit dem sie agieren kann. Umso klüger ist die Idee der drei Regisseure, ihren Schauspielerinnen Hilfsmittel zu verschaffen, die zudem noch mit subtiler Bedeutung aufgeladen sind: der Scherenschnitt von Dichter Goethe, das Mikrophon an der Zellendecke in Stammheim, der Mantel des Kriegshelden Othello.

Packend geraten so die Monologe, das Spiel der drei nacheinander in je zwei Rollen auftretenden Schauspielerinnen ist präzise und von einer wunderbaren Leichtigkeit getragen. Sybille Denker schlüpft nacheinander in so diametral verschiedene Figuren wie Christiane von Goethe und Gudrun Ensslin und beherrscht die Naivität der einen wie die kalte Verzweiflung der anderen. Schaudernd durchlebt man bei Regine Effinger Donna Lauras Qualen einer lebendig Begrabenen – um sich kurz danach über Effingers quirlige Prostituierte Megara zu amüsieren. Susanne Henneberger darf noch ein wenig langsamer sprechen – verleiht aber den jungen Ehefrauen Desdemona und Effi Briest großartig viel Herz und Verstand. Langer Beifall für ein zweistündiges Theaterfest.
– Weitere Termine bis 10. November.

Da kommt noch wer

Jon Fosse

Da kommt noch wer

Spielzeit: März-Mai 2013

Dauer: ca 1 Stunde, 10 Min.

Darsteller: Hans PoeschlRagna GuderianMichael Schmitter

Regie: Andreas von Studnitz
Verlag:

 

 

 


 


 

Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel

Er und Sie haben sich ein altes Haus gekauft, an einer verlassenen Küste. Hier wollen sie zusammen leben, bestätigen sie einander immer wieder: Beschwörungsformeln gegen das Eindringen der Außenwelt. Groß ist die Furcht: Was, wenn doch noch jemand kommt, so unwahrscheinlich dies auch scheinen mag. Und dann steht der Nachbar und frühere Besitzer des Hauses vor der Tür. Auslöser für neue Ängste und zerstörerische Eifersucht, die das Paar in einem schleichenden Prozess zermalmen.

Regie Andreas von Studnitz

Mit Hans Poeschl / Ragna Guderian / NN

Ua1996 Det Norske Teatret, Oslo

DSe 2001 Düsseldorfer Schauspielhaus

Jon Fosse (geboren 1959, Norwegen), ursprünglich Lyriker und Ro-

manautor, ist er heute einer der meistgespielten Gegenwartsautoren

auf allen großen Bühnen. Seine Stücke wurden in über 40 Sprachen

übersetzt.

 

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Elling

von Axel Hellstenius

 

Das Leben kann sehr leicht wie ein Hürdenlauf wirken, wenn es Mut erfordert, ans Telefon zu gehen oder ein Restaurant zu durchqueren. Für Elling und seinen Freund Kjell Bjarne sind die alltäglichen Probleme, mit denen sie nach der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik konfrontiert werden, eine echte Herausforderung. Langsam und tastend arbeiten sie sich in die Normalität des Alltags vor.

Eine intelligente Komödie, die zentrale philosophische und emotionale Fragen mit unbestechlichem Charme beantwortet. Schließlich liegt für alle die größte Herausforderung im Wagnis, sich der Welt zu stellen.

Regie Ingrid Gündisch

Mit Ulrich Großmann / Peter Haug-Lamersdorf /

Elisabeth Kreßler / Dietmar Kwoka

Premiere 09.02.2013, 20 Uhr

weitere Vorstellungen 12.02 bis 09.03.2013, 20 Uhr  / 17.02., 17 Uhr

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Willkommen in der Wirklichkeit

Ingrid Gündisch inszeniert die norwegische Komödie "Elling" auf der Bühne des Freiburger Wallgraben-Theaters.

  1. Wallgaben Theater: Elling. Mit Ulrich Großmann und Dietmar KwokaFoto: Christine Deutsch

 

 

Der Wahnsinn hat Konjunktur auf der Bühne des Wallgraben-Theaters: Nachdem Michael Frayns britisches Erfolgsstück "Der nackte Wahnsinn" wochenlang für eine ausverkaufte Freiburger Kellerbühne gesorgt hat, könnte es mit der norwegischen Psychiatrie-Komödie "Elling" von Axel Hellstenius gerade so weitergehen. Im Mittelpunkt der von Ingrid Gündisch mit viel Liebe zum Detail inszenierten Geschichte stehen zwei Männer, die aus einer Irrenanstalt entlassen worden sind: Elling und Kjell Bjarne dürfen – unter der freundlichen Aufsicht des Osloer Stadtangestellten Frank – in einer gemeinsamen Wohnung beweisen, dass sie wieder alltagstauglich sind. "In die Wirklichkeit eintreten", nennen sie das.

Die beiden Herren könnten unterschiedlicher nicht sein – Elling ist ein leicht zwangsgestörter Pedant, gebildeter Sozialdemokrat dazu, der die ersten 42 Jahre seines Lebens "mit Mutter in intensiver Zweisamkeit gelebt hat". Nun, da Mutter diese Welt verlassen hat, muss Elling ohne sie klarkommen. Gut, dass er seinen Freund Kjell Bjarne hat. Der ehemalige Sonderschüler kann mit Werkzeug wesentlich geschickter umgehen als mit Worten und ist rührend bemüht, seine schlimme Kindheit zu vergessen und endlich eine eigene Frau zu finden, die er glücklich machen möchte.

Grundsätzlich sympathisch an diesem Stück ist, dass Elling und Kjell Bjarne zwei so nette Typen sind. Ein bisschen verrückt sind sie, klar, aber das macht sich eher durch liebenswürdige Macken bemerkbar, denn durch einen ernsthaften Knacks: So rücken sie beim Einzug in die neue Wohnung die Betten in den leeren Flur, statt beide einsam in ihren Schlafzimmern zu hausen. So teilen sie die Hausarbeit nach echter Neigung (putzen oder einkaufen), zudem verbindet sie die Abneigung zu telefonieren – bis sie feststellen, dass es auch richtig heiße Nummern über den Draht gibt…

Verkörpert werden die ehemaligen Anstaltsinsassen in Freiburg von einer nahezu perfekten Besetzung: Dietmar Kwoka spielt Elling mit großer Empathie für eine Figur, die sich selber oft im Weg steht, aber niemals ans Aufgeben denkt. Kwokas Elling ist so überzeugend schüchtern und forsch zugleich, so zurückhaltend und emotional, dass es eine Freunde ist, dem Schauspieler zuzusehen. Ulrich Großmanns Kjell Bjarne schafft vor allem mit seinen staunenden Augen, seinen eckigen Gesten und seiner entschlossenen Herzenswärme, den Zuschauer für sich einzunehmen. Und Ingrid Gündisch hat, wie schon Hellstenius, der das Theaterstück nach dem Roman "Blutsbrüder" von Ingvar Ambjornsen entwickelte, die Figuren ernst genommen. Der Zuschauer muss sich nie auf ihre Kosten amüsieren, er wird nicht zum Voyeur, sondern vielmehr zum heiter gestimmten Miterleber, dem so manch eine Unsicherheit der Bühnenfiguren sehr bekannt vorkommen dürfte. Ängste haben schließlich nicht nur Irre.

Das stimmige Bild dieser Inszenierung runden die beiden anderen Darsteller, Peter Haug-Lamersdorf und Elisabeth Kreßler ab. Haug-Lamersdorf spielt den jovialen Frank, der Elling und Kjell Bjarne immer wieder ermuntert, ein ganz normales Leben aufzunehmen. Kreßler darf gleich alle drei weiblichen Rollen übernehmen, die der Ärztin, die der Kellnerin und die der schwangeren Nachbarin Reidun. Dabei zeigt sich die junge Schauspielerin wandlungsfähig und stets präsent. Das Premierenpublikum spendete Ensemble und Regie langen Beifall. –  Nächste Termine: Von Dienstag, 12. Februar bis Samstag, 9. März, jeweils 20 Uhr. Am 17. Februar um 17 Uhr. Karten: BZ-Kartenservice  0761/4968888.

von Heidi Ossenberg

12.02.2013, Badische Zeitung zur Kritik